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#44 Warum Griechenland für Adenauer unverzichtbar war

18.01.2026 27 min

Zusammenfassung & Show Notes

In dieser Folge von Yiasas Adenauer steht der 150. Geburtstag von Konrad Adenauer im Mittelpunkt – mit einem besonderen Blick auf Griechenland. Gastgeber Marian Wendt fragt, welche Rolle Griechenland im politischen Denken Adenauers spielte und ob es strategischer Partner oder Randthema war. Im Gespräch mit dem Historiker Dr. Dimitrios K. Apostolopoulos von der Akademie von Athen geht es um die deutsch-griechischen Beziehungen nach dem Zweiten Weltkrieg. Thematisiert werden die NS-Besatzung, der griechische Bürgerkrieg und die Phase des Wiederaufbaus. Ein Schwerpunkt liegt auf der politischen Beziehung zwischen Adenauer und Konstantinos Karamanlis, zwei prägenden Figuren der europäischen Nachkriegsordnung. 


Adenauer, Griechenland und der Kalte Krieg

Ein Schwerpunkt der Folge liegt auf Griechenlands strategischer Bedeutung im Kalten Krieg. Dr. Apostolopoulos erläutert, warum Adenauer Griechenland als festen Bestandteil Europas und als Bollwerk gegen den Kommunismus betrachtete. Deutlich werden dabei Parallelen in der außenpolitischen Lage beider Länder, die an der Frontlinie des Ost-West-Konflikts standen und ihre Zukunft klar im Westen sahen.


Adenauer und Karamanlis – eine politische Partnerschaft

Ausführlich beleuchtet wird auch das Verhältnis zwischen Adenauer und Konstantinos Karamanlis, der prägenden Figur der griechischen Nachkriegszeit. Beide verbanden pragmatische Politik, eine ideologische Nähe und der feste Wille zur europäischen Einbindung ihrer Länder. Der Karamanlis-Besuch 1958 in Bonn gilt als Wendepunkt der bilateralen Beziehungen und als Grundlage für eine langfristige wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit.


Aktuelle Einordnung und Nachrichten

Ergänzt wird das Gespräch durch den Nachrichtenblock mit Olga Tsotsokou. Themen sind unter anderem die Bauernproteste in Griechenland, die Reform der Streitkräfte, die EU-Ratspräsidentschaft Zyperns, aktuelle Tourismuszahlen sowie Neuigkeiten aus der Konrad-Adenauer-Stiftung.


Warum diese Folge heute relevant ist

Die Episode zeigt, was Europa aus der frühen deutsch-griechischen Partnerschaft lernen kann: gegenseitigen Respekt, Realpolitik und die Bedeutung gemeinsamer europäischer Verantwortung – gerade in einer Zeit neuer geopolitischer Spannungen und europäischer Herausforderungen.


Gesprächsgast
Dr. Dimitrios K. Apostolopoulos, Akademie von Athen

Moderation
Marian Wendt

Nachrichtenblock
Olga Tsotsokou

Transkript

Welche Rolle spielt Griechenland eigentlich im politischen Denken Konrad Adenauers? War es Randthema oder strategischer Partner? Was verband Konrad Adenauer und Konstantinos Karamanlis wirklich? Gemeinsame Überzeugung, politische Notwendigkeit oder persönliche Nähe? Und warum lohnt es sich heute 150 Jahre nach Adenauers Geburt, diesen deutsch-griechischen Blick auf Europa neu zu denken? Um den 150. Geburtstag Konrad Adenauers und Konstantinos Karamanlis soll es diesmal gehen bei Yiasas Adenauer, dem Podcast für Griechenland und die Region und damit ein herzliches Willkommen. Ich bin Marian Wendt und leite das Büro der Konrad-Adenauer-Stiftung für Griechenland und Zypern hier in Athen. Zu Beginn dieser Folge möchte ich Ihnen allen zunächst ein gutes, gesundes und gesegnetes neues Jahr wünschen. Kali chronia kai chronia polla. Ich hoffe, Sie sind gut in das neue Jahr gestartet, mit etwas Ruhe, Zeit zum Nachdenken und vielleicht auch mit einem Blick zurück auf das, was war und nach vorn auf das, was kommt. Das Jahr 2026 bietet dafür einen besonderen Anlass. Es jährt sich der Geburtstag Konrad Adenauers zum 150. Mal. Ein Jubiläum, das vielerorts genutzt wird, um auf den ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland auf sein politisches Wirken und auf sein europäisches Vermächtnis zu blicken. In dieser Folge von Yiasas Adenauer wollen wir diesen Blick bewusst erweitern und nach Griechenland richten. Auf Adenauers Verhältnis zu Griechenland und auf seine politische Beziehung zu Konstantinos Karamanlis. Zwei Persönlichkeiten, die in der Nachkriegszeit entscheidend dazu beigetragen haben, ihre Länder zu stabilisieren und europäisch zu verankern. Darüber spreche ich hier im Podcast mit Dr. Dimitrios K. Apostolopoulos von der Akademie von Athen, einem ausgewiesenen Experten für die neuere griechische Geschichte. Zunächst aber wie immer ein kurzer Blick auf die Nachrichten der letzten Tage im ersten Nachrichtenblock mit Olga Tsotsokou. Bauernproteste in Griechenland mit Mitsotakis trifft Landwirte. In Athen und mehreren Regionen Griechenlands dauern die Proteste der Landwirtinnen und Landwirte an. Seit etwa einem Monat blockieren Bauern mit Traktoren Autobahnen, Häfen und auch Grenzübergänge, um verzögerte Subventionszahlungen und die EU-Agrarpolitik zu kritisieren, was den Verkehr im ganzen Land stark beeinträchtigt. Mitsotakis traf am letzten Dienstag Vertreter der Bauern zu Gesprächen, kündigte Zugeständnisse an und warnte zugleich vor weiterem Schaden für die Wirtschaft. Die Protestbewegung will Druck aufbauen, bis konkrete Lösungen vorliegen. Reisenden wird empfohlen, Verzögerungen auf Hauptachsen wie A1 und Egnatia Odos einzuplanen. Debatte über Neuaufstellung der griechischen Streitkräfte im Parlament. Im griechischen Parlament ist der Reformprozess der Streitkräfte in den vergangenen Tagen im Fokus gestanden. Verteidigungsminister Nikos Dendias brachte ein umfassendes Modernisierungsgesetz ein, das Investitionen, neue Strukturen und mehr Training für Soldaten vorsieht. Trotz Kritik aus Oppositionsreihen wurde das Gesetz mit deutlicher Mehrheit verabschiedet. Ziel der Reform sei es, Griechenlands Militär zu einem der stärksten in Europa bis 2030 zu entwickeln und den Herausforderungen im östlichen Mittelmeerraum besser zu begegnen. Und das war der Nachrichtenüberblick mit Olga Tsotsokou. 150 Jahre Konrad Adenauer, der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, Europäer aus Überzeugung und prägende Figur der Nachkriegsordnung. In dieser Folge von Yiasas Adenauer wollen wir den Blick bewusst einmal nach Griechenland richten und auf Adenauers Verhältnis zu Hellas, auf seine politische Beziehung auch zu Konstantinos Karamanlis. Dazu traf ich mich in dieser Woche mit Dr. Dimitrios K. Apostolopoulos von der Akademie von Athen, er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für Zeitgeschichte. Wir sprachen gemeinsam in seinem Büro über die Zeit damals und Adenauers Verhältnis zu Griechenland. Herr Dr. Apostolopoulos, vielen Dank für Ihre Zeit, dass wir uns hier bei Ihnen treffen, um einmal über Adenauer und Griechenland zu sprechen. Vielen Dank für die Einladung. Wie war denn damals die Lage in Griechenland zu Zeiten, als Konrad Adenauer Bundeskanzler gewesen ist, so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg? Die Ära Adenauer fällt mit den Bemühungen um den Wiederaufbau Griechenlands nach der Nazi-Besatzung, aber auch nach einem blutigen Bürgerkrieg zusammen. Die dreieinhalbjährige deutsche Besatzungszeit stellte das dunkelste Kapitel in dem Verhältnis zwischen Deutschen und Griechen dar. Aber die Frage dieser historischen Hypothek hat nicht zur Unterbrechung in den deutsch-griechischen Beziehungen geführt und das ist sicherlich und vielleicht hauptsächlich auf Adenauer zurückzuführen. Die Persönlichkeit Adenauers, der im kollektiven Bewusstsein als Anti-Nazi galt, war für die Griechen, dass Westdeutschland sich grundlegend vom Dritten Reich unterschied. Und die neu gegründete Bundesrepublik Deutschland wollte besonders guten Willen zeigen und ihn in pragmatischer Form erkennbar machen, damit die früheren Kriegsgegner, darunter auch Griechenland, die deutsche Besatzung vergessen konnten. Griechenland hat ja nicht nur heute, sondern auch schon damals eine strategische Rolle eingenommen zwischen Europa und dem Orient, zwischen Europa und dem Nahen Osten, auch mit seiner Lage natürlich zur Türkei. Was meinen Sie, welche Rolle spielte Griechenland damals in der Außen- und Europapolitik, gerade auch im Kontext von Kaltem Krieg, Westintegration, auch der Bürgerkrieg hat ja Fragen in dieser Hinsicht aufgeworfen in Griechenland. Ja, wenn man beide Außenpolitiken betrachtet, erkennt man viele Parallelen. Dazu zählen der starke, teils erzwungene Wunsch nach West-Zugehörigkeit und der Glaube an die europäische Idee. Man darf nicht vergessen, dass beide Länder an der vordersten Front gegen den Ostblock standen. Der humanistisch im altgriechischen Geist gebildete Konrad Adenauer sah aus geopolitischen, geostrategischen und nicht zuletzt aus ideologischen Gründen in Griechenland ein untrennbares Stück des europäischen Bodens und ein Bollwerk gegen den Kommunismus. Adenauer empfand offensichtlich eine starke Schicksalsidentität im Verhältnis zwischen Deutschland und Griechenland. Dazu mag auch beigetragen haben, dass in den jeweiligen nationalen Fragen, wie der Vereinigung für Deutschland, die Zypernfrage für Griechenland, eine gewisse Parallelität bestand, die die Außenpolitik beider Länder gegenüber dem Westen stark belastete. Für Adenauer beziehungsweise die Bundesrepublik ergab sich daraus der unschätzbare Vorteil, dass die griechischen Nachkriegsregierungen, insbesondere die von Papagos und Karamanlis, nicht nur deutschfreundlich waren, sondern auch die Position der Bundesrepublik in allen wesentlichen politischen Fragen international vorbehaltslos unterstützten. Und das muss man sagen, bildet bis heute. Die Außenpolitik Griechenlands ist auch eine gemeinsame westeuropäische oder europäische. Wie ist das Griechenlandbild heute? Adenauer gilt als Gegner der Nazis und als Symbol eines friedlichen Nachkriegsdeutschlands. Der Karamanlis-Besuch 1958 in Bonn gilt als Wendepunkt der bilateralen Beziehungen. Griechenland erhielt Kredite und technische Hilfe, westdeutsche Unternehmen profitierten vom Wiederaufbau. Beide Länder standen im Kontext des Kalten Krieges im selben Lager. Was wirkt bis heute fort? Gegenseitiger Respekt, Realpolitik und Zusammenarbeit in gemeinsamen Bündnissen. Griechenland und Deutschland wurden sehr bald nach dem Zweiten Weltkrieg Verbündete und Weggefährten der europäischen Einigung. Schon sehr bald nach dem Krieg ebneten Adenauer und Karamanlis den Weg für eine lange griechisch-deutsche Zusammenarbeit. In der heutigen komplexen Lage liegt es im Interesse beider Länder, bei der Bewältigung gemeinsamer Probleme geeint zu bleiben. Vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit. Und zum Abschluss die Frage nach der Lieblingsinsel: In den letzten Jahren Kreta. Und das war Yiasas Adenauer für heute. Vielen Dank fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge.

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